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Qualität statt Aktionismus beim Umgang mit geflohenen Menschen. So könnte der gemeinsame Nenner lauten, auf den sich die Teilnehmer*innen des Fachtages „Ankommen in Mütterzentren – Orte der Gelegenheiten für geflüchtete Familien mit Bleibeperspektive“ Ende April im Mütterzentrum Fulda geeinigt haben.

„Hilfsangebote in den Erstaufnahmeeinrichtungen gibt es genug. Wir möchten mit denjenigen zusammen arbeiten, die länger bleiben, denn die Arbeit in Mütterzentren basiert auf Vertrauen und Vertrauen braucht Zeit“, sagt Christiane Liebendörfer , Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Mütterzentren.

2016 04 Fachtag Fulda WorkhopUm Missverständnisse zu vermeiden, ist es bei der Arbeit in offenen Häusern immer wieder nötig, die Perspektive zu wechseln. Das wurde In zwei Workshops zum Thema Interkulturalität deutlich. „Es ist wichtig, die Gemeinsamkeiten und nicht die Unterschiede zwischen Neuangekommenen und Einheimischen zu betonen, erklärt der Trainer Cihad Taskin. Bewusst sein sollte uns auch, welche Stellung der Einzelne in modernen und traditionellen Gesellschaften hat. Was in modernen Gesellschaften als Bevormundung wahr genommen wird, kann in einem anderen Kontext einfach heißen: „Ich fühle mich verantwortlich für dich“.Wie subjektiv wir Situationen und das Verhalten anderer interpretieren, wurde anhand einer Geschichte klar, die Trainerin Monika Maier-Luchmann vorstellte und in Gruppen auswerten ließ. Auf einer anschließenden Kulturrallye erlebten die Teilnehmenden, wie schwierig es ist, sich zurechtzufinden, wenn man Spielregeln nur vermeintlich kennt.

Die bisherigen Erfahrungen mit geflohenen Menschen in den einzelnen Häusern sind völlig unterschiedlich: In Mütterzentren wie dem Nachbarschatz in Hamburg sind schon seit Jahren Menschen mit Fluchterfahrung aktiv, da geschieht Integration von ganz allein.

Gabriele Friedrich aus Zwickau sagt hingegen: „Bei uns hat es noch keiner ins Haus geschafft, aber wir begleiten Flüchtlinge bei Behördengängen und helfen im Alltag“. Mario Dornberg vom Mütterzentrum Leipzig erinnerte daran, dass viele Flüchtlinge noch im Überlebensmodus stecken und jetzt mit Familienbildungsangeboten und Erklärungen zur Mülltrennung wenig anfangen können.

2016 04 Fachtag Fulda Wokshop 2Zugucken, mitmachen, selber machen - das sind die drei Schritte nach denen das Prinzip der Mütterzentren funktioniert. Was uns von anderen Häusern unterscheidet ist, dass unsere Bildungsangebote auch immer Beziehungsangebote sind. Ein Kochkurs oder ein Leseabend ist immer nur ein Türöffner – dahinter muss ein Konzept stehen. Nicht das wie ist entscheidend, sondern warum wir etwas machen, sagt Taskin. „Wir müssen uns immer fragen, wo wir in drei Jahren sein wollen. Wir müssen eine Vision haben“.

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