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Ende September veranstaltete das Bundesfamilienministerium ein Verbände- und Trägergespräch zum Thema „Wandel der Väterbeteiligung an Familienarbeit, Kinderbetreuung und -erziehung“. Ute Latzel vertrat den Bundesverband der Mütterzentren.


Von einem wirklichen Wandel ist bisher allerdings noch nicht viel zu spüren. Laut aktueller Umfragen, die Karsten Kassner von der Evangelischen Hochschule Berlin vorstellte, würden sich zwar über 60 Prozent aller Männer zu Hause gern genauso viel engagieren wie ihre Frauen, wenn diese in Vollzeit erwerbstätig wären. In Wirklichkeit tun das aber nur 14 Prozent.


Die Väterbeteiligung beim Elterngeld liegt bei über 34 Prozent. Die wenigen Monate, die die Männer nach der Geburt ihres Kindes zu Hause verbringen, führen jedoch nicht zu einer langfristigen Änderung der traditionellen Rollenverteilung. Noch immer leben die meisten Familien nach dem sogenannten „Ernährermodell“, bei welchem der Vater einer vollen Erwerbstätigkeit und die Mutter einer Teilzeitbeschäftigung nachgeht.


Im Durchschnitt verbringen Väter 62 %ihrer Arbeitszeit mit Erwerbsarbeit und nur 38 % mit unbezahlter Arbeit, während Frauen mit Kindern 70% ihrer Zeit mit unbezahlter Arbeit verbringen und nur zu 30 % erwerbstätig sind.


Dabei würde jede zweite Mutter gern früher in den Beruf zurückkehren und ein Drittel aller Mütter würde gern mehr arbeiten. Väter würden gern weniger Überstunden machen. Für Kinder wäre ein größeres Engagement der Väter bei der Familienarbeit ein Gewinn.


Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist keine Privatsache, sondern eine politische Aufgabe und braucht deshalb Konzepte, die nicht auf den klassischen Rollenbildern basieren. Referatsleiter Ulrich Paschold stellte die momentanen Vorhaben des Familienministeriums vor. Die Liste reicht von Förderungen durch Geldleistungen und ein neues Elternzeitrecht bis zu einer Rahmenerklärung der Wirtschaftsverbände, dass berufliche und familiäre Aufgaben gleichwertig nebeneinander stehen. Ein-Eltern-Familien sollen von einer Reform des Unterhaltsvorschussgesetzes profitieren. Eine gute Familienpolitik ist eben auch Armutsprävention.


Mütterzentren und andere Familienbildungseinrichtungen müssen sich verstärkt auf die neue partnerschaftliche Elternarbeit einstellen, indem sie Zugangswege und Ansprache an neue Bedingungen anpassen, erklärte Kassner. Bisher gäbe es zu wenig väterspezifische Angebote. Männer würden am liebsten an erlebnispädagogischen Angeboten aus dem Bereich Spiel und Sport teilnehmen. Eine Möglichkeit, mehr Väter in die Familienzentren zu holen, seien männliche Elternbegleiter und neue Kooperationspartner. Außerdem sei es wichtig, Männer nicht von vorneherein bei Werbekampagnen auszuschließen, indem auf Flyern nur Mütter mit ihren Kindern abgebildet werden.


Im Anschluss gab es Raum für eine offene Diskussion, an der sich Vorstandsmitglied Latzel für den Bundesverband beteiligte und in der die Vielschichtigkeit der Frage der Partnerschaftlichkeit angesprochen wurde.

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