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„Wenn etwas schief läuft, fällt alle Schuld auf die Mutter zurück. Psychologen/innen und Mediziner/innen machen Mütter für Alkoholismus, Drogenmissbrauch und die Magersucht ihrer Kinder verantwortlich. Das „motherblaming“ ist salonfähig geworden. Die auf der Therapeutencouch liegenden Klienten/innen beschweren sich allenthalben über ihre Mütter.“
Dabei sind es nicht die Mütter, die individuell versagt haben und versagen, schreibt die österreichische Politologin Mariam Irene Tazi-Preve. Es ist die Kleinfamilie, die scheitert. Und dieses Scheitern hat gesellschaftliche und ökonomische Ursachen, die sie klar und nachvollziehbar benennt. Sie beschreibt, warum die Bereiche Arbeitswelt und Familie nicht kompatibel sind und wie die Wirtschaft Familien instrumentalisiert.


Durch die tägliche Überforderung wird die Familie nicht als idyllischer Rückzugsort erlebt, sondern als Quelle des täglichen Frusts, weil die Kinder zu wenig erwachsene Bezugspersonen haben, den Eltern die Zeit für die romantische Liebe und Erotik fehlt, und die Mütter immer den Kürzeren ziehen, auch wenn ihnen Wahlfreiheit vorgegaukelt wird, kritisiert Tazi-Preve.
Bleibt eine Mutter zu Hause, ist sie komplett von ihrem Mann abhängig, Ist sie halbtags beschäftigt, erhält sie keine existenzsichernde Rente. Arbeitet eine Mutter Vollzeit, reibt sie sich schier auf, weil sie neben dem Job noch den größten Teil des Haushalts wuppt.

Scheitert die Ehe, wird sie mit großer Wahrscheinlichkeit, eine vom deutschen Steuerrecht benachteiligte Alleinerziehende. Die Frauen, die sie nach der Trennung oft auffangen, ihre Mütter, Großmütter, Schwestern und Freundinnen, werden aber leider nur als mittelmäßiger Ersatz für den abwesenden Vater gesehen. Auch diese fehlende Wertschätzung ist, laut Tazi Preve, ein Ergebnis unserer Idealsierung der Kleinfamilie.


Wir sollten uns einfach von der Idee verabschieden, dass die Kleinfamilie der Normalfall ist, in der Kinder am besten aufgehoben sind, sagt Tazi-Preve. Familie sei einfach da, wo das füreinander Sorgen oberste Priorität hat. „Erwachsene Kinder sollten einfach die ökonomische Verantwortung gegenüber der familialen Gemeinschaft übernehmen und nicht gegenüber dem/der Lebenspartner/in, schreibt die Politologin und fügt an, dass sich im afrikanischen Burkina Faso z.B. alle Frauen einer Familie für alle Kinder zuständig fühlen.
Um sich solche Verhältnisse in Deutschland vorzustellen, muss man schon sehr phantasiebegabt sein. Aber es ist schön zu wissen, was so alles möglich ist.
Die Lektüre lohnt sich vor allem, weil Tazi-Preve die Auswirkungen der aktuellen Familienpolitik analysiert. Die Art, wie sie die historische Entwicklung beschreibt, macht es sogar plötzlich ganz leicht, mit unseren eigenen Müttern, Großmüttern und Schwiegermüttern solidarischer zu sein.

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