Nicht jede Familie hat Großeltern vor Ort. Manchmal leben sie weit weg. Manchmal sind sie früh verstorben. Manchmal gibt es keinen Kontakt. Was dann fehlt, ist oft mehr als praktische Unterstützung. Es fehlt ein Mensch mit Zeit, Lebenserfahrung und einem offenen Ohr.
Genau hier setzt die Wunschgroßelternvermittlung im Mütterzentrum Braunschweig an. Seit 2006 bringt das Mütterzentrum Familien mit älteren Menschen zusammen, die Freude am Kontakt mit Kindern haben und sich eine sinnvolle Aufgabe wünschen. In diesem Jahr feiert das Projekt sein 20-jähriges Bestehen.
Die Anfragen zeigen, wie groß der Bedarf ist. Da ist die alleinerziehende Mutter, die Arbeit und drei kleine Kinder vereinbaren muss und sich jemanden wünscht, dem sie auch einmal ihr Herz ausschütten kann. Da ist der Vater, der nach dem Tod seiner Frau eine vertraute weibliche Bezugsperson für seine Kinder sucht. Und da sind ältere Menschen, deren eigene Familie weiter weg lebt und die sich wünschen, wieder Teil eines lebendigen Familienalltags zu sein.
Das Mütterzentrum Braunschweig bringt diese Menschen nicht einfach nur zusammen. Es begleitet die ersten Schritte sorgfältig, nimmt Familien und Wunschgroßeltern auf, führt Gespräche, bereitet passende Begegnungen vor und bleibt auch nach einer Vermittlung ansprechbar.
Wie viel dabei entstehen kann, zeigt eine Szene aus einem Kennenlerngespräch. Ein Schulkind trifft zum ersten Mal einen möglichen Wunschgroßvater. Das Kind hat lange auf eine Vermittlung gewartet. Am Ende verabschiedet es sich mit den Worten: „Ich bin mir sicher, dass Sie genau der richtige Großvater für mich sind.“
Solche Momente zeigen, worum es im Kern geht: Einsamkeit betrifft nicht nur eine Altersgruppe. Familien können sich einsam fühlen, wenn Unterstützung fehlt. Ältere Menschen können sich einsam fühlen, wenn der Alltag still wird. Kinder können etwas vermissen, wenn vertraute ältere Bezugspersonen fehlen.
In Braunschweig sind in den vergangenen zwanzig Jahren rund 400 Vermittlungen entstanden. Viele Wunschgroßeltern treffen „ihre“ Familien regelmäßig, begleiten Kinder über Jahre, hören zu, spielen, gehen nach draußen oder sind einfach da.
Das ist keine klassische Dienstleistung, es ist gelebte Familienselbsthilfe. Hier wird deutlich, wie Mütterzentren gegen Einsamkeit wirken: nicht mit schnellen Lösungen, sondern mit Beziehungen, die wachsen dürfen.
Gerade deshalb sind Projekte wie die Wunschgroßelternvermittlung so wertvoll. Sie machen sichtbar, was Mütterzentren seit Jahrzehnten stark macht: offene Türen, gelebte Gemeinschaft und die Überzeugung, dass Sorgearbeit nicht allein in der Familie bleiben darf, sondern eine gemeinsame Aufgabe ist.
Danke an Nina Schenk und Melanie Moronga vom Mütterzentrum Braunschweig für die Einblicke in die Wunschgroßelternvermittlung.


